Montag, 8. September 2008

Inuvik

Tja, da waren wir also in Inuvik. Wie lange hatten wir uns das vorgestellt, hatten nicht gewusst welche Strassenverhaeltnisse uns erwarten und wie das Endziel wirklich aussehen wird.
Irgendwie hatten wirs ungelegen erwischt. Ausser uns war so gut wie kein Touri mehr da. Der eine Campground zu, Postkarten hatten wir nicht gefunden und Center mit den Schwimmbad und den Hot-tubs war ja auch geschlossen wegen Putzarbeiten "we hopefully reopen on September 24th" stand da zu lesen. Die beruehmte Igloo-Kirche: zu. Frust.

Wir fanden dann einen Campground in der Stadt. Im Security-Haeuschen sass ein Mann auf dem Sofa und schlief. Da ich ja generell etwas leise spreche, sprach ich extra laut. Danach rief ich. Und dann bruellte ich. Nach dreimal wachte er auf und faselte was davon, dass sich sein Sohn da draussen um alles kuemmere. Wir zogen also los und parkierten auf einem flachen Stueck. Ob er einen Sohn hat oder nicht werden wir nie erfahren - wir trafen ihn jedenfalls nicht. Und so haben wir abends Lasagne gegessen, Jana hat geduscht und wir haben Abfall entsorgt, etc. Am Morgen sind wir dann losgefahren - irgendwie will in dieser Stadt offenbar keiner unser Geld...

So. Die Suche nach den Postkarten oder dem Beweis, dass wir da waren, ging weiter. Es war Sonntag... Nach einigem Hin- und Herfahren haben wir dann gesehen, dass bei Moe's Stationary Licht war. Aber die hatten zu. Ich war nun leicht genervt und im naechsten Moment dann erstaunt: da klopft die Jana doch einfach wie wild ans Schaufenster und sagt: da ist Jemand und ich will jetzt einfach da rein. Die macht bestimmt auf. Und siehe da: die Frau tat's! Hey, so ein schoenes Laedelchen! Mit Postkarten und Souveniers und Einrichtungssachen etc! Himmel, waren wir happy!

So traten wir dann um 10.30 Ortszeit (NWT haben 8 Std Differenz, Yukon 9) die Rueckreise an. Mit dem Ziel, die 739km am Stueck zu fahren und gleich noch die 40 bis nach Dawson City anzuhaengen... In 12 bis 16 Std koenne man den Dempster schaffen stand ueberall. Ich nehms vorweg: wir habens in 10.5 Std geschafft. Und zwar locker. Unterwegs haben wir noch die Schwarzbaeren Nr. 4 und 5 getroffen (beim Beerensuchen neben der Strasse, wie die Inuvikfrauen auch), dann den Grizzly Nr. 2 kurz vor dem Arctic Circle. Zuvor hatten wir nochmals die Faehre bei Tsiigehtchic zu queren (auch da: lauter mega-freundliche Leute). Die Faehren fahren von 9.30 bis 24 Uhr (wohl der Moonliner) und haben max 5 Minuten von einem Ufer ans andere. Kurz vor der 2 Faehre haeben wir einen Abstecher in das von uns so liebgewonnene Fort MacPherson. Es ist "nur" eine Ansiedelung und ist wohl zu 90% von Natives bewohnt, aber irgendwie ist das Kaff so freundlich. Und tanken wollten wir da nochmals. Hey, welch Freude!! An der Tankstelle stehen zwei Motorraeder! Die Jungs aus Calgary, resp. Wyoming habens geschafft! Alle plaudern wie wild drauflos. Der eine macht auch gleich ein Roadmovie als Andenken. It was the hell on wheels meint der mit der Harley - wir glauben ihm das sofort. Die Baustelle und der Regen haben dort die Strasse fuer sie fast unpassierbar gemacht. Aber die folgenden 130 km werden ein Kinderspiel versichern wir ihnen. Aber Heim muessen die armen Burschen ja auch irgendwann wieder -die Wetterprognose ist nicht toll.

Ich besuche noch kurz das Grab der Lost Patrol bei der Kirche. Das Wetter ist im Allgemeinen etwas freundlicher (sprich: die Wolken haengen etwas hoeher) als bei der Hinfahrt. Auf der 2. Faehre gruesst wieder supberlieb der Einheimische, der von der Kommandobruecke sagt auch noch was und ueberhaupt ist es etwas wie Heimkommen. Auch die Jungs auf der Baustelle (und die ist lang und es fahren ununterbrochen Trucks) gruessen immer wie wild. So erreichen wir dann die Grenze zum Yukon - im Nebel haetten wir sie fast verpasst. 50 Meter weiter und wir stehen unter blauem Himmel! Ja, so ist das Wetter hier.
Wir freuen uns mega, machen Fotos und fahren dann weiter. Wissend, dass das Wetter auch hier drehen wird. Beim Arctic Circle begegnen uns 2 Camper. In Eagle Plains nochmals tanken. Auf der Weiterfahrt treffen wir nochmals 2 Campfahrzeuge - sonst nur Einheimische. Die wenigsten Touris fahren weiter als bis zum Arctic Circle. Und bei diesem Wetter tun uns alle leid, die den Dempster nur so gesehen haben... Grau, verhangen. Und offenbar hat es gewindet und fest geregnet: die meisten gelben Blaetter sind nun ab.
Kurz vor dem Ende der Strasse treffen wir noch auf einen Wolverine, also einen Vielfrass. Der klettert voll Panik auf ein kleines Baeumchen als ich ihn mit dem Fotoapparat verfolge. Moorschneehuehner und Erdmaennchen haben wir uebrigens auch in Massen gesehen - ich habe nicht jedes einzelne erwaehnt.

Etwa um 20.30 wieder Yukon-Zeit haben wir am Bonanza-Creek unsere Campstellung bezogen und sind sofort von einem fuchsaehnlichen Vieh belagert worden.

Wir gruessen euch!

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