Der 4 September war ein langer Tag. Begonnen mit einem Fruehstueck in der Alpine Bakery mit der ganzen Truppe. Unser Gepaeck war schon dabei weil um 9.20 Uhr hiess es Abschied nehmen, wir wurden von der Mietwagenfirma abgeholt und die andern sind zurueck zum Camping und dann zum Flughafen gefahren.
Der Abschied fiel uns nicht leicht, gar nicht leicht. Zuerst hatten wir nun aber fast 2 Stunden mit der Fahrzeuguebernahme (ein Ford Super Duty Pick-up, 4 tuerig mit hinten einem Camperaufsatz) zu tun. Das ist noch ein Auto! Herrlich wie der brummt! Danach sind wir gleich einkaufen gefahren - wir koennen locker 4 Wochen ueberleben glaub ich (das Angebot war aber auch wirklich gross...)
Also dann! Ab gegen Norden! Die Strecke bis Carmacks kannten wir ja schon gut, ab da wurde es Neuland. Wie meistens wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, kam das schoene Wetter. Super diese Farben! Beim letzten Mal war noch alles gruen, nun ist der Indian Summer in voller Bluete. Wir haben einige Halte eingelegt um Fotos von Seen und Waeldern zu machen, von den Five Finger Rapids im Yukon, etc. Und dann sind wir nach Mayo gelangt, wo wir uebernachtet haben - moeglichst nahe beim Wald, das hat uns am ehesten an das Campleben der Kanutour erinnert... Mayo war sonst ein Reinfall. Von wegen pittoresk.. Naja. Die Stimmung war eh den ganzen Tag ueber schon sehr speziell. Irgendwo zwischen lachen und weinen. Staendig sind uns Situationen in den Sinn gekommen die uns an die tollen Leute von der Kanutour erinnert haben. Oder wir haben gesagt "Michel wuerde jetzt sagen.." oder "weisst du, der Fox Lake, der hat doch der Cornelia so gefallen..." und so weiter. Hm. Wie schnell einem Menschen doch ans Herz wachsen... Unterwegs haben wir noch deer fotografiert am Strassenrand.
Tags darauf, am 5.9. sind wir in Mayo los, vollgetankt (130 Liter Diesel...). Unterwegs wieder viel gestaunt (und bei jedem Fluss nach der Stroemung geguckt und so) und dann endlich am Abzweiger zum Dempster Highway angekommen. Nachgetankt. Die naechste Tankstelle ist immerhin 370km entfernt. Das Wetter wunderbar, die Strasse frisch gegravelt! Hey, da war ja manche Teerstrasse der Horror dagegen!
Die Fahrt ist unglaublich. Die Farben! Die Weite! Anfaenglich haben wir ja noch ab und zu einen andern Camper gesehen, aber das nahm mit der Zeit ab. Dafuer natuerlich die riesigen Trucks (und die brettern auf Teufel komm raus drauf los...). Die Landschaft wechselt langsam vom Laub- und Nadelwald zur Hochgebirgsregion (obwohl das nicht ueber 1200 Meter hoch geht). Beschreiben laesst sich das schlecht - man muss es einfach gesehen, resp. erfuehlt haben. Da geht soviel durch den Bauch und den Kopf. Eigentlich ist da Nichts. Und genau das haut einem um. Wie schoen ist doch die Natur wenn keiner drin rum wuetet. Man steht auf einem kleinen Plateau und guckt kilometerweit in die Ferne, hoeren tut man nur den Wind, selten einen Vogel. Ab und zu ganz weit weg ein Truck, der sich dann mit einer Staubwolke ankuendigt. Aber selbst ueber diese beginnt man sich zu freuen, die Strecke wird immer einsamer.
Ploetzlich seh ich einen Grizzly (fuer die Insider: Grisou oder Gruesu) ueber die Strasse laufen! Als er uns hoert, eilt er etwas, hinab ins Fluesschen. Wir "pirschen" uns mit dem Fahrzeug heran, sehen ihn im Wasser und wie er raussteigt. Danach vergisst er uns offenbar voellig, er tummelt sich ewig am Ufer rum, kratzt in der Erde, frisst was, dreht sich und kratzt wieder. 7 Meter von uns! Lucas haette wohl jetzt den Baerenspray ausprobiert... :-)
Wir fahren weiter und schrauben uns wieder auf ein Paesschen hoch, dann fahren wir auf der Kuppe - Berg fuer Berg, Kilometer um Kilometer. Es zieht sich sehr lange hin und gegen Ende sind wir ganz still und freuen uns einfach nur noch, wenn wir endlich irgendwo ankommen wuerden. Weil wenn man nicht mal mehr Bergketten hat am Horizont und die Baeume auch fehlen, wird es lang - vor Allem sieht man seehr viele Kilometer voraus wohin die Strasse verlaueft.
Zwischendurch wird die Strasse breiter und ein Flugzeugschild kuendigt an, dass man damit rechnen muss, dass da einer landen moechte von Zeit zu Zeit. Entweder fuer Emergencies oder vielfach fuer die Natives, wenn sie Jagen gehen. Unterwegs ueberholen wir noch 2 Motorraeder... Mann, das ist keine Route 66! Sie haben echt Muehe. Endlich kuendigt sich Eagle Plains an. Yepp, da sind wir! Eagle Plains hat eine Tankstelle, ein Motel, ein RV-Park, ein Restaurant und einen kleinen Laden sowie ein schwarzes Brett fuer Mitteilungen. Einwohner: 8. Gebaeude: 2. Und eine heisse Dusche fuer mich! Nachdem wir unseren Wagen abgestellt haben und ich geduscht habe, koche ich Reis mit Rindsgeschnetzeltem an Rahmsauce. Lecker!! Bevor wir unter unsere Decken huschen (jaaaaa, super weiche, warme Decken!!! Ich krieg mich jeden Abend kaum noch ein) sehen wir zwei Lichter am Horizont. Die Motoradfahrer kommen. 20 Minuten spaeter sind sie da. Ich quatsche mit Ihnen. Einer ist aus Calgary und hat ne Harley, die ziemlich leidet auf der Staub- und SChotterstrasse, der Andere stammt aus Wyoming. Sie wollens durchziehen bis Inuvik, aber fluchen schon. Das Restaurant hat schon zu, sie sind 2 Stunden nach uns angekommen. Wir bieten Ihnen was an, aber sie stellen dann doch lieber ihr Zelt und packen den Koffer aus.
Ich bin sicher, wir werden die Jungs nochmals sehen auf dem Rueckweg. Die haben Mumm!
So, nun ab in die Heya, ein wunderbarer Sonnenuntergang!
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1 Kommentar:
Halli Hallo im fernen Kanada
Nach gut 2 Wochen in der norwegischen Abgeschiedenheit, konnte ich nun endlich mal euren Blog lesen... man, ist ja Wahnsinn, was ihr schon so alles er- bzw. überlebt habt. Geniesst es weiterhin und bleibt gesund - wir sind es ;-))
Liebe Grüsse, Ralf
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